Hintergrund

EINE ANDERE GESCHICHTE

Ein später Start, und keine Absicht aufzuhören.

Kurz vor meinem 25. Geburtstag suchte ich ein neues Hobby — etwas, das mich aus der Wohnung holt und mich mit Fähigkeiten fordert, die nicht leicht zu meistern sind. Dank eines motorradfahrenden Freundes bekam ich die Gelegenheit, seine BMW 1200 GS Adventure auszuprobieren.

Ich probierte es — und legte sie nach fünf Metern hin. Wir stellten sie wieder auf, ich versuchte es noch einmal. Diesmal klappte es, und ich war begeistert!

Ein paar Wochen später sass ich auf meinem ersten eigenen Motorrad. Ich fuhr jeden Tag, um meine Kurventechnik zu verbessern. Leider stürzte ich gegen Ende des Jahres und brach mir das Schlüsselbein. Zeit aufzuhören — es ist ja gefährlich, oder? Nein! Stattdessen nahm ich mein ganzes Geld, tauschte das Motorrad ein und jagte im Jahr darauf weiter Kurven im Schwarzwald.

Dann kam der Schlamm. Ich bekam die Gelegenheit, einen Enduro-Urlaub in Rumänien zu machen — der perfekte Ort für den Einstieg ins Gelände, besonders wenn es die ganze Woche in Strömen regnet. Bevor wir losfuhren, fragte mich der Guide: „Jess, wie viel Geländeerfahrung hast du?" Mein übermütiges Ich antwortete: „Keine, aber ich verspreche dir, du musst nicht auf mich warten!" Du ahnst, wie es weiterging: Ich konnte nicht fahren und legte das Motorrad in den ersten 500 Metern dieser Schlammhölle zwanzig Mal hin. Die Gruppe sah zu und lachte — zu Recht. Der Guide griff ein und brachte mir die Grundlagen bei: Finger an der Kupplung, Gewicht auf den Rasten, und so weiter. Am Ende der Woche war ich nicht mehr die Langsamste. Ich konnte mit der Gruppe mithalten und war sogar besser als einige meiner erfahreneren Freunde.

Jasmin Riccius bei der Ausfahrt aus einem Tunnel auf einer Enduro-Etappe

Zu Hause führte mein erster Weg zum örtlichen KTM-Händler, um mein Strassenmotorrad gegen eine 300 EXC zu tauschen. Die Trainingsmöglichkeiten in der Schweiz waren allerdings begrenzt, es dauerte einige Monate, bis ich wirklich loslegen konnte. Ich buchte Gruppentrainings, lernte viel und war frustriert, wenn neue Techniken unter anderen Bedingungen nicht funktionierten. Also fing ich an, mein eigenes Fahren zu analysieren — und gute Fahrer zu studieren. Wenn die das können, kann ich das auch. So begann mein Solotraining.

Während eines Trainingsurlaubs fand ich in Italien grossartige Freunde, die Enduro-Touren anbieten (SudEstRaid). Ich half als Guide aus, und Leute fragten mich nach Trainings. So entstand die Swiss Motorcycle Academy.

Parallel fuhr ich die Schweizer Enduro-Meisterschaft und mein erstes Extrem-Enduro-Rennen, die Arsenal Enduro in Rumänien.

Es gab Rückschläge. Ein paar Stürze, beide Handgelenke verletzt, und 2020 bin ich wegen Corona kaum gefahren.

Anfang 2021 ermutigte mich meine sehr gute Freundin Enrica Perego, es mit Rallye zu versuchen. Ich schloss mich Old Farm Racing an und war bei meinen ersten Einsätzen gleich gut dabei.

Ich wollte mehr und meldete mich für die Hellas Rally in Griechenland an. Ich wurde 14. im Gesamtklassement, 8. in der 450er-Klasse und Erste in der Frauenwertung — mit zwei Stunden Vorsprung.

Am Jahresende hatte ich zwei Meistertitel. Das gab mir den entscheidenden Anstoss, mein Leben diesem Sport zu widmen.

Jasmin Riccius auf einer Wüstenetappe